Meinungs- und Suppenbilder

 

 

 

 

 

‘Wenn du sprichst, wiederholst du etwas, was du schon weißt.
Wenn du zuhörst, kannst du etwas Neues lernen.’

Dalai Lama

“Schade, es regnet schon wieder. Und dabei ist es auch noch kalt. Wir hatten doch in den letzten Wochen gefühlt schon Frühling.”

Ich kann auch sagen:
“Es ist gut, dass es regnet. Die Natur braucht dringend den Regen. Und wir brauchen das Wasser in unseren Grundwasserspeichern.”

Jetzt kannst du natürlich denken: “Logisch, es geht um eine positive oder eine negative Haltung. Das kenne ich schon. Je nachdem, wie wir etwas bewerten, fühlen wir uns besser oder schlechter.”
 
Das stimmt!
 
In diesen SprachNachrichten zeige ich dir, wie Menschen ihre inneren Bilder von einer Sache oder einer Situation im Dialog mit Anderen wertschätzend nebeneinander legen können.
 
Ich gebe dir ein Beispiel.
Im beruflichen Kontext werde ich manchmal Folgendes gefragt:

“Frau Engels, was glauben Sie, wie sich die Zinsen in den nächsten Jahren entwickeln werden?”

Der Kunde will von mir eine Einschätzung zur Zinsentwicklung. Ihn interessiert, wie ich darüber denke. Ihm ist gleichzeitig klar, dass ich nicht 100-prozentig wissen kann, wie sich die Zinsen entwickeln werden. Der Kunde will meine Meinung dazu hören.
In diesem Beispiel setzt sie sich aus zwei wesentlichen Anteilen zusammen:
 

  1. aus Wissensbestandteilen, im Sinne von Informationen und
  2. aus Anteilen, die ich annehme oder glaube, auf Basis von Erfahrungen und Erlebtem.

 
Der Kunde wird sich meine Meinung anhören und aus diesen und vielleicht weiteren Informationsquellen seine eigene Meinung bilden. Auch er wird Wissen mit Erlebtem verknüpfen.
Solange die Gesprächspartner neutral ihre Meinungen austauschen, liegen sie bildlich betrachtet nebeneinander.

Ein Höhenunterschied entsteht erst, wenn einer der Beiden eine Wertung seiner Sichtweise einbringt und seine Meinung als die Maßgebliche forciert. Dann geht es um ‘gut und schlecht’, ‘richtig und falsch’, ‘schwarz und weiß’. Dies mündet oftmals im Widerstand. Die Gesprächspartner verharren, machen zu und finden schließlich nicht zueinander.
 
Ich gebe dir hierzu ein Bild – ein Suppenbild.

Stelle dir vor, dass du eine Suppe mit verschiedenen Zutaten wie Möhren, Sellerie, Kartoffeln, Lauch und Klößen kochst. Es ist deine Suppe, so wie du sie gerne magst. Die Zutaten sind deine Wissensinformationen. Die Suppe kann zum Beispiel das Thema Familienurlaub, Osterfrühstück, Gartenplanung, Geldanlage oder was dir gerade in den Sinn kommt, haben.

Ganz bewusst stellst du dir deine Informationen zusammen und bildest dir deine Meinung zu einer Sache. Vielleicht probierst du auch etwas Neues aus, gibst Suppennudeln dazu und testest die Information. Schmeckt sie dir? Passt sie zu deinen Erfahrungen?
 
Nun kommt Jemand daher und wirft dir eine Information ungefragt in die Suppe. Das verändert den Geschmack. So hattest du dir das nicht vorgestellt. Das geht dir zudem zu schnell. Du hattest gar keine Zeit, die Information zu kosten und zu prüfen, ob sie zu deinen Erfahrungen passt. Diese Person stellt mit der Information eine Behauptung auf. Willst du diese überhaupt hören? Wie gehst du nun damit um?

Du hast mehrere Möglichkeiten.

Du kannst den Topfdeckel heben und als Schutzschild benutzen. Sprachlich präsentieren wir unseren Widerstand vielfach mit ‘aber-Sätzen’, wie zum Beispiel: 

  • Ja, aber ich glaube, dass das so nicht funktionieren wird.
  • Du kannst das natürlich so denken, aber wenn du mal genau hinsiehst, dann stimmt das nicht.
  • Aber wenn überhaupt, dann will ich wenigstens die Projektleitung übernehmen.

 
Wenn du willst, dass dir dein Gesprächspartner die Information oder Behauptung erst einmal neben deine Suppe legt, passen folgende Antworten:
 

  • Die Information ist mir neu. So habe ich es noch gar nicht gesehen.
  • Ich schaue es mir an und sage dir in den nächsten Tagen etwas dazu.

 
Wenn du die Information für dich prüfen willst, kannst du beispielhaft diese folgenden Fragen stellen.
 

  • Wie genau meinst du das?
  • Verstehe ich dich richtig?
  • Meinst du das so…..?   

Die weitere Information kippt möglicherweise deine Meinung, die du bisher hattest. Du bekommst plötzlich ein neues Bild von der Sache. Im ersten Moment kann diese Erkenntnis schmerzen. Im zweiten Moment jedoch liegen darin auch Chancen.

Lass deinen Gesprächspartner ausreden, höre hin und bleibe vor allem wertfrei. Darin liegt im Dialog die Wertschätzung. Die neue Erkenntnis wird deinen Blickwinkel erweitern. Sie wird dir zum Geschenk.
Vielleicht willst du deinem Gesprächspartner dafür danken. Spätestens dann liegen eure Meinungen bildlich betrachtet wieder nebeneinander.
 
Ich wünsche dir friedvolle Begegnungen und erkenntnisreiche Dialoge auf Augenhöhe!

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